Am 9. Januar 2020 veröffentlichten wir einen Artikel mit dem Titel „Aktien 2020: Feiern, als wäre es 1999“, worin wir auf die Ähnlichkeiten zwischen dem Ende der 1990er und dem der 2010er Jahre hinwiesen:
Im Rückblick gleicht das Jahr 2020 aus wirtschaftlicher Sicht mit seiner coronabedingten tiefen, weltweiten Rezession ganz und gar nicht dem üppigen Aufschwung von 1999. Die Aktienmärkte jedoch legten trotz weltweiter wirtschaftlicher Rückschläge deutlich zu – angeführt von denselben Sektoren, die Ende der 1990er und Ende 2010er Jahre an der Spitze lagen. Zudem lag Ende 2020 das Bewertungsniveau im Verhältnis zum BIP deutlich über dem in den Jahren 1999 oder 2000 (Abbildung 1) – oder 2019.
Anders als in den Jahren 1999 und 2000 bieten jedoch Anleihen kaum eine attraktive Alternative. Die Renditen lagen damals bei 5-7 %. Heute liegen selbst die 30-jährigen Renditen noch immer unter 1,75 %, indes die 10-jährigen Renditen weiterhin unter 1 % notieren. Angesichts niedriger Anleiherenditen stellt sich die Frage: Können Aktien langfristig ein viel höheres Bewertungsniveau erzielen, sofern die Zinsen niedrig bleiben?
Die relative Wertentwicklung des Aktiensektors ähnelt sehr derjenigen der späten 1990er Jahre. Aktien der Sektoren Informationstechnologie, Gesundheitswesen und Nicht-Basiskonsumgüter lagen in den 1990er, den 2010er Jahren und bisher auch im Jahr 2020 an der Spitze (Abbildung 2-4). Dagegen schnitten Energie- und Versorgerwerte in diesen drei Zeiträumen schwach ab. Das Jahr 2020 weist einige Besonderheiten auf: Anders als in den 2010er Jahren entwickelten sich Werte der Sektoren Rohstoffe und Telekommunikation gut. Während Rohstoffaktien auch in den 1990ern unter dem Marktdurchschnitt lagen, schnitten Telekommunikationswerte im ersten Internetboom recht gut ab.
Ein Vergleich zwischen den Streudiagrammen der 1990er und der 2010er Jahre bekräftigt die Ähnlichkeit beider Dekaden. Zudem war das Jahr 2020 in vielerlei Hinsicht eine Fortsetzung der 2010er Jahre, z. B. lag eine ähnliche Auswahl von Sektoren über dem Marktdurchschnitt (Abbildungen 5 und 6).
Die Annahme, dass die Trends des Jahres 2020 im weiteren Verlauf des Jahrzehnts Bestand haben werden, ist mit Vorsicht zu genießen; die Trends einer Dekade setzen sich nicht immer in der darauffolgenden fort. So übernahmen in der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts, während der schwierigen Jahre von 2000 bis 2009, andere Aktien die Spitze. In der Zeit der niedrigen Ölpreise während der 1990er Jahre wiesen Energiewerte mit die schlechteste Wertentwicklung auf, in den Nullerjahren waren sie die großen Gewinner. Die Spitzenreiter der 1990er, Technologie- und Telekommunikationswerte, fielen indes in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends einer scharfen Trendumkehr zum Opfer (Abbildungen 7 und 8).
Zwischen den 2000ern und den 2010ern kehrte sich die relative Wertentwicklung der Sektoren wieder um. Energie, Rohstoffe und Basiskonsumgüter – in den 2000ern noch die großen Gewinner – gehörten in den 2010ern zu den Sektoren mit der schlechtesten Wertentwicklung (Abbildung 9). Die großen Gewinner der 2010er Jahre (und des Jahres 2020) waren hingegen Aktien der Sektoren Informationstechnologie und Nicht-Basiskonsumgüter, die zuvor schlechter als der Markt abgeschnitten hatten.
2020 ist nur das erste Jahr der Dekade. Es ist noch ein weiter Weg zu gehen. Die Sektoren, die sich in den 2010ern und im Jahr 2020 gut geschlagen haben, müssen nicht am Ende des Jahrzehnts auf dem Siegerpodest stehen. Wie uns die 2000er und 2010er Jahre lehrten, entpuppen sich die am weitesten abgeschlagenen Sektoren manchmal als die werthaltigsten.
Alle in diesem Bericht dargestellten Beispiele sind hypothetische Interpretationen und werden nur zu Erläuterungszwecken verwendet. Die in diesem Bericht dargestellten Sichtweisen sind ausschließlich die Meinung des Autors, nicht notwendigerweise der CME Group oder ihrer verbundenen Unternehmen. Dieser Bericht und die darin enthaltenen Informationen sind nicht als Anlageberatung oder als Ergebnis tatsächlicher Markterfahrungen aufzufassen.
Erik Norland ist Executive Director und Senior Economist der CME Group und somit für die wirtschaftlichen Analysen der globalen Finanzmärkte verantwortlich. Dabei identifiziert er aufkommende Trends, bewertet wirtschaftliche Faktoren und prognostiziert deren Auswirkungen auf die CME Group und ihre Geschäftsstrategie sowie auf die Anleger, die an den verschiedenen Märkten des Unternehmens handeln. Er ist außerdem einer der Sprecher der CME Group für Themen, die die globale wirtschaftliche, finanzielle und geopolitische Lage betreffen.
Lesen Sie weitere Berichte von Erik Norland, Executive Director und Senior Economist der CME Group.
Select-Sector-Futures bieten eine liquide und kapitaleffiziente Lösung, um das Engagement in 11 Sektoren – von Technologie bis Kommunikationsdiensten – zu steuern.
Unser Economic Research Team freut sich, Ihnen leicht verständliche Berichte über Marktereignisse und -entwicklungen anbieten zu können, die für Sie relevant sind. Mit unserem E-Mail-Abonnement erhalten Sie unmittelbar die neuesten Berichte der CME Group.